Kunstgeschichte in Basel

Studieren, wo die Kunst ist

Basel bietet als Stadt der Künste den Studierenden der Kunstgeschichte ideale Voraussetzungen. Inmitten einer der dichtesten Museumslandschaften Europas vermittelt das kunstgeschichtliche Seminar eine betont kunstnahe Ausbildung.

Die bedeutenden Sammlungen des Kunstmuseums – der ältesten bürgerlichen Kunstsammlung der Welt – des Historischen Museums mit seinen Beständen aus Mittelalter und früher Neuzeit, des Museums für Gegenwartskunst, der Fondation Beyeler, des Tinguely Museums, des Antiken- und des Architekturmuseums, der Fotokollektion der Fondation Herzog, das Haus der elektronischen Künste und andere mehr bieten ein reiches Terrain für eine anschauungsbezogene Ausbildung, Studium und Forschung.

Kunstmuseum Neubau, Kunstmuseum Basel. Foto: Julian Salinas
Fondation Beyeler, erbaut von renzo Piano, Basel/Riehen. Foto: Mark Niedermann

Mit dem renommierten Schaulager, das eine ganz neue Art des Sammelns, Ausstellens und des Erforschens zeitgenössischer und moderner Kunst entwickelt hat, ist das Kunsthistorische Seminar besonders eng verbunden.
Zwei eigens dafür von der Laurenz-Stiftung geschaffene Professuren (Laurenz-Professur für Zeitgenössische Kunst und Schaulager-Professur für Kunsttheorie) bauen Brücken und praktizieren neue Formen des Unterrichts, die den Erfahrungsort Museum in einen Ort der Lehre und des Lernens verwandeln.

Im breiten Spektrum der Basler Sammlungen finden die Studierenden vielfältige Gelegenheiten, sich in der Welt der Kunstwerke praktisch zu orientieren und Zugänge zu erproben. Die Kunstmesse Art Basel, die experimentellen Projekte der Kunsthalle Basel und die reiche Ausstellungstätigkeit aller Häuser bieten authentischen Kontakt mit international renommierten, massgebenden Werken, Künstlern und Künstlerinnen, Tendenzen und Ereignissen. Bereichert wird diese Einbindung durch regelmässige längere und kürzere Exkursionen zu den Zentren europäischer Kunst. Das Kunsthistorische Seminar befindet sich in einem Annex des Kunstmuseums, mit dem es auch über eine gemeinsame Kunstbibliothek verfügt. Die spezialisierte Bibliothek ist schweizweit die grösste ihrer Art.

Kunstmuseum Gegenwart, Kunstmuseum Basel. Foto: Julian Salinas
Schaulager® Münchenstein/Basel. Foto: Tom Bisig

Basel ist einer der Orte, an denen mit Jacob Burckhardt und Heinrich Wölfflin die Kunstgeschichte als Universitätsfach erfunden wurde. Diese Vergangenheit versteht das Kunsthistorische Seminar als eine gegenwärtige Herausforderung, das wissenschaftliche Feld der Kunstgeschichte auch methodisch weiterzuentwickeln und historische Fragestellungen mit den aktuellen Problemen eines Zeitalters nach der digitalen Revolution zu verbinden.


Auf diesem Wege ist der Nationale Forschungsschwerpunkt (NFS) Bildkritik/eikones – Über Macht und Bedeutung der Bilder, der aus Aktivitäten von Mitgliedern des Seminars entstanden und im Gebäude der Alten Universität am Rheinsprung untergebracht ist, ein starker Partner. Seine interdisziplinäre Ausrichtung und das ungewöhnlich breite und reiche Angebot an Veranstaltungen bieten den Studierenden in Basel ein offenes, ideenreiches Feld, das ihnen ermöglicht, international diskutierte Forschungsfragen kennenzulernen und an ihnen zu partizipieren. Die insgesamt hoch entwickelte Verflechtung der kunsthistorischen Ausbildung mit Sammlungen und wissenschaftlichen Institutionen ist weit und breit so nur in Basel gegeben und zeichnet diesen Studienort aus.

Vitra Design Museum, Weil am Rhein/D
Kunstmesse Art Basel Unlimited, Basel. © Art Basel

Kompetenzen

Mit dem Abschluss des Masterstudiums werden ausgebildete KunsthistorikerInnen befähigt sein, durch ein breites Fundament an kunsthistorischem und fachverwandtem Wissen mit hoher Flexibilität auf neue Arbeitsfelder und Aufgaben zu reagieren. Sie werden in einem durch Bilder massgeblich geprägten Zeitalter über die Kompetenzen verfügen, durch eine geschulte Reflexion der Wahrnehmung kritisch mit Kunstwerken und Bildern im Allgemeinen, mit deren Analysen und Interpretationen, mit historischen Quellen und mit Methoden und Theorien des Fachs umzugehen. Sie werden die eigene Fähigkeit zur Analyse von Befunden in komplexen historischen Zusammenhängen unter Anwendung kunsthistorischer Methoden besitzen und diese in überzeugender Form mündlich und schriftlich darlegen können. Sie werden ebenso die Fähigkeit zur Vermittlung der erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen gegenüber einer akademischen und nichtakademischen Öffentlichkeit besitzen.

Durch im BA-Studium mit Erasmus+/Swiss-European Mobility Program oder Eucor erworbene Auslandserfahrungen verfügen sie über eine internationale Kompetenz und über wertvolle Erfahrungen in den Hauptbereichen kunsthistorischer Berufspraxis (Hochschule und Akademien, Museums- und Ausstellungswesen, Denkmalpflege, Journalismus, Kulturmanagement, Kunsthandel, Verlagswesen etc.). Ihre wissenschaftlichen Kompetenzen befähigen sie zur eigenständigen Entwicklung neuer Forschungsfelder, zu deren Analyse und Darstellung. In besonderem Masse geht es um die folgenden vier Kompetenzen:

Historische Kompetenz

Sie befasst sich mit der Rekonstruktion von Vergangenem und versteht die Andersartigkeit der Vergangenheit gegenüber der Gegenwart festzuhalten, Aufgaben der Kunst in ihrem jeweiligen Kontext zu analysieren, unterschiedliche Arten von Produktivität und Geschmack zu bestimmen, aber auch Quellenkritik zu betreiben, Inventare anzulegen, Archive zu benutzen usw.

Visuelle Kompetenz

Die wichtigste Kompetenz von KunsthistorikerInnen ist diejenige, der visuellen Differzierungsfähigkeit eines geschulten Sehens. Ihre Welt ist die des Auges, so sehr diese auch mit Texten und Kontexten, mit Körpern, Sprache und Begriffen eng verflochten sein mag. Die kunstgeschichtliche Ausbildung schliesst deshalb eine intensive Schule des Sehens ein. Es geht darum, visuelle Spezifika wie Stil, Materialität oder ästhetische Ordnung, Komposition, Aspekte des Ausdrucks und der Konditionierung der Wahrnehmung zu trainieren. Die visuelle Kompetenz ist in einer Gegenwart ständig zunehmender Bilder und Visualität von wachsender Bedeutung.

Argumentative Kompetenz

Gleichwohl muss das Gesehene zur Sprache zurückfinden, visuelle Sachverhalte wollen in ihrer Struktur argumentativ erfasst und vertreten werden. Dazu bedarf es neben sprachlicher Schulung auch eine der Reflexionskraft, der Kenntnis relevanter Theorien, Ideen und wissenschaftlicher Ansätze anderer Disziplinen, um zu einem eigenen visuellen Denken zu gelangen. Nicht zuletzt kommt dabei auch der Aufarbeitung von Inhalten zu Präsentations- und Vermittlungszwecken grosse Bedeutung zu.

Kritisch-hermeneutische Kompetenz

Die Arbeit der KunsthistorikerInnen mündet in methodischer Kritik und in der Sicherung ihrer wissenschaftlichen Vorgehensweisen. Aus ihnen erwächst die hermeneutische Kompetenz: sie erfragt wie etwas (das heisst ein Artefakt) gewesen ist, um im gleichen Zug zu erhellen, was es bedeutet. Dazu gehört auch die Reflexion der wandelbaren Bedeutungsnuancierungen in der Zeit des Entstehens, aber auch in der langen Geschichte seiner Wirkung, gerade im Hinblick auf die Gegenwart.